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Alexandra Lehmler — Mannheim

Soprano, alto, baritone saxophone

©  F. Schindelbeck

Ihre Musik hat alle Attribute, die man gern dem „männlichen“ Jazz zuschreibt: Souverän im Vortrag, komplex, dabei aber nicht unnötig verkompliziert. Mit deutlich spürbaren Wurzeln, dabei aber voll eigenen Ausdrucks. Kurz, aus dem Bauch kommende, gewachsene Musik, der man trotzdem Kopfeinsatz und Überlegung anmerkt. Der Titel des Albums, „No Blah Blah“ (erschienen 2012 beim renommierten Mannheimer Label JAZZ‘n‘ARTS von Thomas Siffling und gefördert von der „Initiative Musik“), ist Programm. Gehaltvoll und spannend sind die Kompositionen, reizvoll ist das ganze Konzept dieser CD. Musikalisch nimmt Alexandra Lehmler kein Blatt vor den Mund, außer, versteht sich, dem ihres Saxophons. Die alten Meister des Jazz hat sie hörbar intensiv studiert; immer wieder tauchen Einflüsse verschiedener Jazzepochen in ihrem Spiel auf, verinnerlichte Melodielinien und lyrische Themen – und sehr viel eigene Kontur. Lehmlers „vibrierender Ton auf dem vorwiegend in hellen Lagen geblasenen Saxophon, die geschmeidigen Linien und die liedhafte Melodieführung“, fasste Klaus Mümpfer dies im Jazz Podium in Worte, seien „unverkennbar“. Und der Mannheimer Morgen jubelt:„Wunderbar leichthändig inszeniert sie ihre Musik.“  Die 1979 in Bad Ems an der Lahn geborene Alexandra Lehmler wäre sicherlich auch eine ausgezeichnete Pianistin geworden, wenn nicht der Opa das Klavier zu Brennholz zerhackt hätte.  Also musste sie sich für ein anderes Instrument entscheiden und entflammte als achtjähriges Mädchen für das Saxofon. Nach fünf Jahren von den Eltern verordnetem Klarinettenunterricht durfte sie dann mit 13 Jahren endlich mit ihrem Lieblingsinstrument beginnen und erlernte neben Alt- und Sopransaxophon auch die Bassklarinette. Folgend nahm sie sämtliche Stationen einer verheißungsvollen Musikerkarriere mit: sie spielte im Bundesjazzorchester unter Leitung von Peter Herbolzheimer und unter anderem mit Maria Schneider, David Liebman, Jürgen Friedrich, Peter Weniger und Bobby Shew. Nach Abschluss ihrer Studien an der Musikhochschule Mannheim vertiefte sie ihr Können bei Bernd Konrad in Stuttgart und am Conservatoire National Supérieur de Musique in Paris.  2004 fand Alexandra Lehmler in Daniel Prandl (p), Matthias Debus (bs) und Max Mahlert (dr) ihre langjährigen musikalischen Gefährten, die sie konsequent auf dem Weg eines strictly European and World Jazz begleiten. Mit dem aus Kolumbien stammenden Perkussionisten Farouk Gomati wuchs die Formation kurze Zeit später zum Quintett und erweiterte die weltmusikalische Komponente entscheidend.
Die Jahre kontinuierlicher Arbeit haben Alexandra Lehmlers Band zusammengeschweißt – bei No Blah Blah, handelt es sich bereits um das dritte gemeinsame Album. Auch personell wuchs das ursprüngliche Quintett in dieser Zeit zum Septett, wobei diesmal als Gäste zusätzlich Frank Möbus an der Gitarre und Michael Flury an der Posaune mitwirken. Sie und Bassist Matthias Debus – ihr Begleiter in der Band wie im Leben und Vater der beiden gemeinsamen Kinder – stehen dabei im Mittelpunkt und haben sich zudem das Komponieren geteilt. Als Bandchefin legt Alexandra Lehmler Wert auf einen Sound, bei dem „die Farbe des Klangs“, wie Rainer Köhl in der Rhein- Neckar-Zeitung sehr richtig erkennt, „eine besondere Rolle spielt“. Der Tuschkasten, den sie dabei einsetzt, war schon immer mit kräftigen Farben bestückt, die in ihrer Kombination offenbar höchst ansprechend wirken: Über das Vorgänger-Album „Die Welt von unten gesehen“ (2009) schrieb seinerzeit die Musikwoche:  „Nie nervig, nie aufdringlich, stets unterhaltsam und abwechslungsreich ist dieses Album.“ Was die Musikerin und ihre Band auch auf No Blah Blah wieder an Musik bietet, ist ein aufregendes, temperamentvolles Kondensat aus klassischen Jazzelementen mit erfrischenden Einflüssen vom Balkan und aus Lateinamerika. Auch Weltmusik fließt in Lehmlers Jazz ganz selbstverständlich ein, tritt gelegentlich sogar in den Vordergrund.
Damit macht Alexandra Lehmler verkantet-schrägen Jazz für die Allgemeinheit salonfähig.
So temperamentvoll, wie verspielt.

www.alexandralehmler.de